Alle Ergebnisse:

5jährige

6jährige

Alle Fotos: © Sabine Brandt für Eventing-Inside

2. September 2018

 

Gentleman FRH und Clara Bö strahlen in Warendorf

 

Am Donnerstag musste sie ihrem Stallgefährten Corragio noch den Vortritt lassen, heute legte Clara Bö von Concours Complet / Carismo eine Schüppe drauf und wurde mit Anna Siemer neuer Vielseitigkeits-Bundeschampion des Jahrgangs 2013. Bereits nach der Dressur und dem Parcoursspringen an der Spitze liegend, erhielt sie von den Richtern in der Geländepferdeprüfung die Tageshöchstnote von 9,1, insgesamt erzielte sie 34,00 Punkte.

 

Die Championesse: Clara Bö mit Anna Siemer

Für den Züchter Helmut Böttcher, in dessen Besitz sich Clara Bö auch heute befindet, ist es ein weiterer großer Erfolg. Bereits in 2015 stellte er mit Michel (der mittlerweile mit Will Faudree im 3-Sterne-Bereich angekommen ist) von Mighty Magic / Federweisser den Bundeschampion der 5jährigen Buschpferde, damals mit Stephanie Böhe im Sattel. Clara Bö ist eine rechte Schwester zum gekörten Royal Cavalier von Royaldik. Auch der hannoversche Springvererber Domino von Domspatz ist ein direkter Vertreter dieser Stutenfamilie. Vater der neuen Bundeschampionesse ist der Celler Landbeschäler Concours Complet von Canstakko / Sir Shostakovich xx. Leider musste der Hengst wegen einer Unfallverletzung schon früh eingeschläfert werden. Mit Chapeau Claque aus einer Don Bosco-Mutter war ein weiterer Concours Complet-Nachkomme im Finale platziert (8. mit Katharina Tietz).

 

Dorotheenhof's Canela mit Lotte Palmgren

Cormint x Cassini I lautet das Pedigree von Dorotheental's Canela, die von Lotte Palmgren auf den zweiten Rang geritten wurde. Der Holsteiner Verbandshengst Cormint ist einer der Söhne des populären Calido aus dem Hause Maas Hell und vereint über Carthago Z (Jos Lansink) und dem Halbblüter und Linienbegründer Lord durchaus das Who is Who einiger Holsteiner Zuchtheroen. Der vollständige Sportname des Muttervaters Cassini lautet San Patrignano Cassini und damit assoziiert ein jeder noch heute Franke Sloothaak, mit dem der mächtige Schimmel seinerzeit international erfolgreich unterwegs war. Auch der dritte Vater Carthago war Ende der Neunziger Jahre unter Franke Sloothaak an der Weltspitze unterwegs. Man ahnt es: Wenn Lotte Palmgren mit Canela unterwegs ist, dürfte fliegen eine echte Option sein. Die 8,2 im Springen kommt nicht von ungefähr. Insgesamt erreichte Dorotheental's Canela 33,40 Punkte.

 

Quantana mit Anna Siemer

Über das kleine Finale hatte sich Quantana mit Anna Siemer qualifiziert, stark verbessert galoppierte die braune Stute heute auf den dritten Platz (33,10). Die Hannoveranerin ist über ihren Vater Quick Check eine Enkelin des großen Franzosen Quidam de Revel, der leichtfüßige braune Muttervater Concetto Famos war unter Meredith Michaels Beerbaum international erfolgreich.

 

Charming Ciaco mit Kai-Steffen Meier

Über Charming Ciaco (4. mit Kai-Steffen Meier / 32,80), Luisao (5. mit Malin Petersen / 32,10), Corragio (6. mit Anna Siemer / 32,00) und QC Rock and Roll (7. mit Kai-Steffen Meier / 31,70) haben wir am Donnerstag schon ausführlich berichtet. Den achten Platz sicherte sich Chapeau Claque (bereits oben erwähnt), auf Platz neun ritt Stephanie Böhe den C-Indoctro / Landjunge-Sohn Action Jackson, der am Donnerstag fünfter wurde.


Clover mit Balazs Kaizinger

Zahlreicher im Springsport erfolgreicher Verwandtschaft über alle Generationen erfreut sich Clover, der mit Balazs Kaizinger auf den zehnten Platz (30,50) sprang. Einmal mehr zeichnet hier das Holsteiner C über Carrico verantwortlich, der über Caletto das Blut des Cor de la Bryere führt und über Capitol II, Capitano und Corporal das des Cottage Son xx. Der Mutterstamm ist mit Landcapitol und dem dritten Vater Lesotho ingezogen auf den Ladykiller xx-Sohn Landgraf, Capitano taucht im Pedigree der Mutter erneut auf.


Über den zweiten neuen Champion haben wir am Nachmittag schon auf unserer Facebook-Seite berichtet:

Eine wahre Aufholjagd starteten Sandra Auffarth und Gentleman FRH von Grey Top / Fabriano im Finale der 6jährigen Vielseitigkeitspferde: Nach einer unterdurchschnittlichen Dressur (Kommentar einer Zuschauerin: "Man sah ihm richtig an, dass er nörgelig war.") mit 7,2 auf den sechsten Platz verbannt, folgte gestern Abend im Parcours der erste Teil der Rehabilitation. Für die Vorstellung zückten die Richter die Höchstnote von 8,8, Platz 3 vor dem Gelände.


Der Champion: Gentleman FRH mit Sandra Auffarth

"Mit dieser Leichtigkeit, mit dieser Großzügigkeit am Sprung, sowohl vom Vermögen als auch vom Geschick mit der Beintechnik … wir haben zumindest keine Dinge gefunden, die wir zu bemängeln hätten", argumentierte Thies Kaspareit die 9,8, die gleichzeitig die Tageshöchstnote war. In der Addition der Teilbewertungen standen 35,60 ganz oben in der Ergebnisliste.



Dark Moon mit Anna Siemer

Nachdem der Hengst die Richter und Zuschauer begeisterte, hätte ihm Chidera (mit Anna Siemer) als letzte Starterin noch gefährlich werden können. Der springgewaltigen Schimmelstute wurde aber beim Abritt vom Wall ihre Mega-Galoppade zum Verhängnis, sie fand keine Distanz zum direkt dahinter aufgebauten Hindernis und lief daran vorbei. Als auch der zweite Versuch scheiterte, hob Anna Siemer die Hand. Damit war klar, dass sie mit ihrem ersten Pferd Dark Moon von Don Index / Matcho AA den Vize-Titel gewonnen hatte (34,40).


Ela Lou mit Christoph Wahler

Den dritten Platz sicherte sich Ela Lou (32,80) unter Christoph Wahler. Die braune Stute war am Donnerstag lediglich um 0,1 Punkt an der direkten Qualifikation vorbei galoppiert und hatte im kleinen Finale den zweiten Platz belegt. Sie ist eine Tochter des Halbblüters Eldino (von Exorbitant xx), der seinerzeit im Westfälischen auch das ein oder andere bewegungsstarke Fohlen aus recht überschaubaren Bedeckungen zu zaubern im Stande war. Beide Seiten des mütterlichen Pedigrees gehen sowohl über Ramiro Z , als auch über Radetzky auf den Anglo-Araber Ramzes AA zurück.


Rayja mit Linus Richter

Wieder zuverlässig unterwegs waren Mighty Carrera und Isabel Mengeler (4. mit 32,20 Punkten), die am Donnerstag schon sehr positiv aufgefallen waren. Wie Ela Lou rauschte auch Rayja am Donnerstag ganz knapp an der direkten Qualifikation vorbei. Heute riefen Linus Richter und die Royal Doruto / Plaisir d'Amour-Tochter ihr Leistungsvermögen ab, zeigten eine sehr ansprechende Runde und wurden von den Richtern mit der Note 8,60 belohnt, im Gesamtergebnis waren es 32,10 und der fünfte Platz. Der Vater Royal Doruto war in seinen jungen Jahren selber im Reitpferde-Bundeschampionat platziert, später im Dressursport bis zur schweren Klasse siegreich und hat genau einen Nachkommen mit Erfolgen in der Vielseitigkeit. Auch der Muttervater Plaisir d'Amour war auf dem Bundeschampionat erfolgreich: Bei den Dressurpferden, hat aber immerhin zwei Abkömmlinge mit Erfolgen im Gelände.


Cesandro mit Stephan Dubsky

Ebenso den Weg über ein erfolgreiches kleines Finale gingen Stehpan Dubsky und Cesandro, der -neben Claus unter Lotte Palmgren- zweite Sohn des Grand Prix-Hengstes Catoo in diesem Finale. Mit dem bewegungsstarken Champagner stellte Catoo seinen bislang populärsten Sohn, der auf der Station Rüscher-Konermann in Westfalen im Deckeinsatz stand und vor zwei Jahren gefeierter Bundeschampion der fünfjährigen Dressurpferde war. Bei allem Dressurtalen rekrutiert sich auch diese Genetik aus reinen Springabstammungen und zaubert hier in der Anpaarung an den Vollblüter Anthony's Dream xx einen gefälligen Mix für den Busch. Mit Bonita Bella verfügt Cesandro bereits über eine Drei-Sterne erfolgreiche Halbschwester.


Luthien mit Arne Bergendahl

Gemeinsam auf den siebten Platz (30,40 Punkte) ritten Vanessa Bölting mit Ready to go W (den wir am Donnerstag schon porträtiert haben) und Luthien mit Arne Bergendahl. Die Schimmelstute von La Calido / Templer GL xx kombiniert auf der Vaterseite die Gene der holsteinischen L- und C-Linien mit denen von Grannus und Polydor. Die Mutter Taramanga hat über 80 % Vollblutanteil und brachte aus einer vorherigen Anpaarung mit La Calido den nun 8jährigen Lamango, der vor drei Jahren 4. beim Bundeschampionat mit Arne Bergendahl war und in diesem Jahr Antonia Baumgart zur deutschen Vize-Meisterschaft bei den Jungen Reitern sowie der Teilnahme an den Europameisterschaften verhalf. Den Abschluss der Ehrenrunde bildeten Claus (29,80) und Lotte Palmgren.

Was bleibt vom 2018er Bundeschampionat? Ein strahlender, gefeierter und auch gereifter Gentleman FRH, der trotz des Fauxpas in der Dressur in der Spur blieb und ganz am Ende triumphierte und seinen Erfolg aus dem letzten Jahr wiederholte. Er war das Pferd, das von allen platzierten mit dem geringsten Vollblutanteil (knapp 24 %) unterwegs war und den der Bundestrainer Hans Melzer erst am Anfang einer erfolgreichen Karriere vermutet: "Den sehen wir in einigen Jahren auf den Championaten wieder."

Sicherlich auch eine strahlende Anna Siemer, die -endlich- ihre erste Schärpe in Warendorf gewann. Und dazu noch das Preisgeld für je einen zweiten, einen dritten Platz und einen sechsten Platz. Sehr gut gemacht. Das ihr auffälligstes Pferd mit einer Distanz Probleme hatte wird sie aufarbeiten, bestimmt in Ruhe.

Auch die vielen guten Bilder, Pferde die ganz überwiegend die gestellten Aufgaben gut und teilweise sogar sehr gut erfüllen konnten, Zuschauer, die zahlreich auf den Geländeplatz gekommen sind und Reiter die ganz überwiegend ihre Pferde sehr professionell präsentierten.

Ob eines der Pferde in einigen Jahren den Hufspuren von Seacookie oder Rocana (die einzigen Bundeschampions die bislang ****-Prüfungen gewonnen haben) folgen kann, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Einer davon ist auf jeden Fall jetzt schon positiv besetzt: Beide 2018er Sieger sind in ausgezeichneten Händen. Der Rest wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Dann ist da ja auch noch die Sache mit dem Blut. Parallel zu Warendorf veranstalteten die Briten den 4-Sterne-Klassiker in Burghley, die wohl schwerste Prüfung auf diesem Planeten was die Abmessungen der Hindernisse, die Länge der Strecke und vor allem alles in Verbindung mit der Topographie des Geländes betrifft. Schaut man sich die Pedigrees der dort erfolgreichen Vierbeiner an, findet sich ein Vollbutanteil von über 65 % (bezogen auf die ersten 20 im Ranking ohne den zweitplatzierten Ballaghmor Class, dessen mütterliche Abstammung unrecherchierbar war - Datengrundlage: Horsetelex). An diesen Wert kommt von den heute in Warendorf platzierten lediglich Isabel Mengelers Mighty Carrera heran.

Gentleman FRH mit Sandra Auffarth

Klar, man kann argumentieren, dass auch eine Serve Well mit Andreas Dibowski hervorragende Ergebnisse bis zum Sieg in Aachen und Top-Platzierungen z. B. in Badminton errungen hat - und das mit einem Vollblutanteil von nur knapp über 10 Prozent. Allerdings ist die Stute, die nebenher erfolgreich bis zur S-Dressur unterwegs war, die einzige uns einfallende rühmliche Ausnahme. Dass "xx" in der Abstammung ist bestimmt kein alleiniger Garant für den Erfolg, aber diesen ohne ausreichende Blut-Substanz langfristig zu sichern scheint -auch mit Rücksicht auf das geänderte Wertungsverfahren- schwieriger zu werden, punktuell bestimmt immer mal möglich, aber ohne Nachhaltigkeit.

Unter den Top-20 in Burghley finden sich aktuell zwei deutsche Pferde (ohne diese hätte der Vollblutanteil übrigens bei fast 70 % gelegen), bei anderen Prüfungen im 3- und 4-Sterne-Bereich durchaus auch schon mehr. Das stellt kein Problem dar, scheint aber aufzuzeigen, dass es mit einem entsprechenden xx-Anteil leichter ist, nach vorne zu reiten.

Wenn denn dann alles passen sollte, gilt es die Daumen zu drücken, dass genügend Menschen da sind, die diese guten Pferde den guten Reitern sichern.

Text: Sabine Brandt & Klaus Kurk

Bilder: © Sabine Brandt für Eventing Inside


30. August 2018

Gentleman FRH auf dem Weg zum Doppel-Champion


Als Geländepferdeprüfung der Klasse L war die Finalqualifikation für die 6jährigen Pferde ausgeschrieben. Auf die 1.650 Meter lange Strecke waren 15 Hindernisse gebaut worden. Bei einem Tempo von 475 Metern pro Minute lautete die Bestzeit 3:29 Minuten.

Gentleman FRH / Sandra Auffarth

Die heutige Prüfung hatte einen eindeutigen Dominator: Gentleman FRH erhielt unter dem Sattel von Sandra Auffarth die Tageshöchstnote von 9,5. Zu diesem Hengst wurde bereits viel geschrieben. Vater Grey Top zählt zu den Vieldeckern in Celle und verzeichnet allein aus dem 2012-er Jahrgang 266 Nachkommen. Der ungemein geschmeidige Gentleman FRH hat seit seinem Championatssieg bei den 5jährigen im vergangenen Jahr sichtbar ausgelegt; er verkörpert mit seinem Muttervater Fabriano nochmal traditionelle hannoversche Blutströme, bevor in dritter Generation der Blüter Gernegross xx erscheint. Fünf erfolgreiche mütterliche Halbgeschwister verzeichnet der sympathische Allrounder, darunter sein jüngerer Vollbruder Galegro, der in Springpferdeprüfungen debütiert.  Sandra Auffarth war schier begeistert: "Ich habe ein super Gefühl gehabt. Er war total sicher auf der Spur und war schön zu reiten. Er war sehr konzentriert, und gerade für ihn als Hengst auch hier am Abreiteplatz vorbei, das war alles super. Mit dem gewonnen Bundeschampionat hatte er im letzten Jahr das große Ziel erreicht und dann ein bisschen Pause bekommen. Im Frühjahr hat er sich auf seinen Zweitjob konzentriert und jetzt war er in Strzegom sehr gut und sehr sicher in der Ein-Stern-Prüfung gewesen. Bis jetzt kann ich mich nicht beklagen." Und auf die Frage nach den väterlichen Zukunftsaussichten: "Er hat auch blutgeprägte und interessante Stuten gedeckt. Das wird noch spannend in den nächsten Jahren."


Claus / Lotte Palmgren

Die zweitbeste Bewertung erhielten Claus (8,8) und Lotte Palmgren. Der braune Wallach, der vor allem durch seinen sicheren Sprung und die aktive Hinterhand Pluspunkte sammelte,  ist rundum holsteinisch geprägt: Sein Vater Catoo von Con Air ist bis Grand Prix erfolgreich; Muttervater ist Levisto, Judy-Ann Melchiors charmanter Herzensbrecher aus Zangersheide, der ihm durchaus auch mal aus den Augen blitzt.




Gemmy K / Andreas Brandt

Andreas Brandt ritt Gemmy K auf den dritten Platz (8,7) und bot dabei eine sehr gleichmäßige Runde. Das Springvermögen und die stete Aufmerksamkeit fielen dabei besonders auf. Der Vater Gem of India war unter John Whitaker und Denis Lynch international erfolgreich und zählt zu den hannoverschen Hengsten, die im Zuge der Initiative um das G-Blut noch einmal züchterischen Aufwind erfuhren. Zurecht, insbesondere wenn diese althannoverschen Leistungsgene auf Vollblut treffen, wie das bei Gemmy K mit dem Muttervater Heraldik xx der Fall ist.


Romance P / Stephanie Böhe

Ausgesprochen Vierecksbetont kommt Stephanie Böhe's Romance P daher. Die Stute, die im Frühjahr das CIC* in Barborowko gewann, galoppierte heute sehr augenfreundlich auf den vierten Platz (8,6). Vater Romanov Blue Hors von Rohdiamant ist einer der fünf gekörten Vollbrüder aus der Erfolgszucht von Harli Seifert, der neben Rubin-Royal die Dressurpferdezucht bereichert. Muttervater Quando-Quando von Quattro war das olympische Dressurpferd der Australierin Kristy Oatley. Springgene tauchen mit Kolibri von Kobold I erst im hinteren Teil des Pedigrees der Mutter auf.


Chidera / Anna Siemer

Chidera -ebenfalls 4. mit Anna Siemer- steht ein weiteres Mal für sprunggewaltiges holsteinisches C über Carrico, einem Sohn des Catoki aus dem Hause Sosath, und Muttervater Chambertin, dessen Sohn Chacco Blue gerade dabei ist, eine neue Hengstlinie zu begründen. Geistiger Vater des Chacco Blue-Erbes ist keine geringerer als Paul Schockemöhle, der mit dieser Genetik der Präsenz des Cornet Obolensky gern etwas entgegensetzen möchte.



Ready to go W / Vanessa Bölting

Er fiel besonders durch den sicheren Sprung auf: Ready to go W (6. mit Vanessa Bölting) ist ein Produkt westfälischer Genetik im vielseitigsten Sinne. Vater Rock Forever verkörpert Springgene in der Dressurpferdezucht, Muttervater Weinberg war ähnlich, wenn auch sehr viel schwerer gezogen. Prominentester Sohn des Warendorfer Landbeschälers Weinberg war Klaus Balkenohls Dressur-Olympiapferd Goldstern, der die Gewinnsummenstatistik seines Vaters gleich hinter den Springpferden Wum (Markus Merschformann/Kurt Gravemeier) und Warren NRW (Lutz Gripshöver) gefüllt hat. Mit dem Landbeschäler Paradox in dritter Generation geht es leistungsbetont und doppelt veranlagt weiter.


Dark Moon / Anna Siemer

Noch einmal Platz 6 (8,5), noch einmal Anna Siemer: Dark Moon bleibt mit einer auffälligen Mechanik im Gedächtnis und verschenkte über den Sprüngen keinen Tropfen Benzin. Er ist ein Sohn des hannoverschen Leistungsprüfungssiegers Don Index (daher der Name...) von Don Crusador und mithin ein weiteres Dressurpferd. Der Angloaraber Matcho AA als Muttervater sorgt für den Schuss Edelblut.



Mighty Carrera / Isabel Mengeler

Ebenfalls auf dem sechsten Platz beendete Mighty Carrera mit Isabel Mengeler die Prüfung. Der westfälisch gebrannte Wallach stammt ab vom Dreiviertelblüter Mighty Magic (von Mytens xx aus einer Heraldik xx-Mutter), der fünf Jahre unter Andreas Dibowski im Busch unterwegs war und dabei 2009 Vize-Weltmeister und 2010 Weltmeister der Nachwuchs-Vielseitigkeitspferde wurde. Auf Mighty Magic ruhten große Hoffnungen als blutgeprägter Vererber. In dieser Prüfung war er mit Mighty Carrera und March Boy doppelt vertreten und man kann wohl sagen: Heute war das Bessere des Guten Feind. Beide Pferde wussten zu überzeugen, wobei der mehr im substantielleren Typ des Vaters stehende Mighty Carrera die Nase vorn hatte. Muttervater Chequille, ein ebenso substanzieller Holsteiner, war mit Emma Hindle international im Dressurviereck unterwegs. Der etwas leichtere March Boy hat mit Acolord einen Sohn des Acorado zum Muttervater, der häufig Noblesse und Veredlung mitgibt und den Edelblutanteil des Mighty Magic offensichtlich unterstützt.

Osterglanz / Sophie Grieger

Bunt gemischt und alles andere als blutbetont lesen sich die Pedigrees der 6-jährigen Finalqualifikanten. Lediglich zwei Halbblüter waren am Start: Osterglanz vom Vollblüter Ostermond xx vertritt die Farben des Bayerischen Haupt- und Landgestütes Schwaiganger und rangierte mit 7,7 an 16. Stelle (der Vize-Champion des vergangenen Jahres unter dem Sattel von Sophie Grieger war eines der Pferde, bei denen die Richterbenotung und die Bewertung einzelner Zuschauer deutlich voneinander abwichen). Flashdancer von Franziskus aus einer Vollblut-Mutter von Lavirco xx brauchte noch viel Unterstützung seiner Reiterin Vanessa Bölting und rangiert mit einer Verweigerung fast am Ende des Feldes. Neun weitere der insgesamt 27 Starter führen einen Vollblüter als Muttervater. Hat man diese züchterischen Aspekte im Hinterkopf erhält die aktuelle deutsche Buschpferdezucht einen ganz anderen Schwerpunkt: Weg vom Blutpferd, hin zum Springpferd. Die aktuellen Warendorfer Ergebnislisten legen beredtes Zeugnis hiervon ab. Inwieweit dann erfolgreiche Mehr-Sterne Pferde daraus werden, wird erst die Zeit zeigen.

Warendorf, 30. August 2018 - Sabine Brandt & Klaus Kurk


Corragio hat die Favoritenrolle für Sonntag


45 Pferde des Jahrgangs 2013 galoppierten heute in der Finalqualifikation für das Bundeschampionat über das DOKR-Gelände in Warendorf. Die Aufgabe lautete, 14 Hindernisse auf der 1.400 Meter langen Strecke in maximal 3:07 Minuten (450 Meter pro Minute) so zu absolvieren, dass die Richter die Vorstellungen mit guten Wertnoten belohnen.


Corragio / Anna Siemer

Besonders erfolgreich dabei war Anna Siemer, die mit dem Holsteiner Corragio (Wertnote = 9,2) von Cayado / Contender und der hannoversch-gebrannten Clara Bö (9,0) von Concours Complet / Carismo einen Doppelsieg feiern konnte. "Ich habe ganz tolle Pferde und ich muss ganz ehrlich sagen, ich brauch' nur sitzen und schnalzen oder brrr sagen. Die machen wirklich ganz viel Spaß. Natürlich haben wir auch mal Phasen wo sie schwierig sind, bei manchen Sachen denkt man auch, die schaffen wir nie. Aber ich bin eher jemand der immer 'ne Nummer kleiner trainiert und dann hier denkt, oh Gott, schaffen wir das? Aber die haben so viel Vertrauen von zuhause, dass die heute über ihren Schatten springen: Na klar, 'ne Ecke, gar kein Problem, aus dem Wasser heraus? Machen wir wohl."


Cayado, der Vater von Corragio, ist ein Sohn des bedeutenden Springpferdemachers Clearway und führt mit Contender omnipräsentes Holsteiner Leistungsblut auch auf der Mutterseite.


Clara Bö / Anna Siemer

Clara Bö ist eine Tochter des Concours Complet (aus dem Erstjahrgang des Canstakko) und vertritt damit die Holsteiner Hengstlinie des großen Cantus. Unter den Söhnen des Canstakko war Concours Complet seinerzeit in Verden hoch besprochen, ist er doch ein direkter Vertreter der vollblutbetonten Erfolgszucht des Friedrich Butt. Mutter Anakonda von Sir Shostakovich xx war mit der Concours Complet-Züchterin Katharina Tietz bis CIC** unterwegs, Großmutter Anthea von Star Regent xx trug Imke Karsten zu Erfolgen bis CCI**, die dritte Mutter Kira-Annabell von Kronenkranich xx ist die auch die Mutter von Team-Olympiasieger FRH Butts Abraxxas. Concours Complet steht in Celler Diensten und verzeichnet aus sehr überschaubaren Anpaarungen bereits 12 4- und 5-jährige Nachkommen im Sport, von denen allein zwei (auch noch: Chapeau Claque / Katharina Tietz - 10. mit 8,2) den Weg in die Finalprüfung fanden - ein bemerkenswerter züchterischer Erfolg!  

 

Charming Ciaco / Kai-Steffen Meier

Mit 8,8 platzierte Kai-Steffen Meier Charming Ciaco an dritter Stelle. Wenngleich oldenburgisch gebrannt, passt dieser Hengst voll ins holsteinisch geprägte Bild: Vater Ciacomo ist ein Sohn des Cor de la Bryere, Muttervater Castellini ist über Contender ein Enkel des Calypso II, der seinerzeit von Herbert Blöcker in den Sport gebracht wurde und später unter Michael Rüping schwere Springen und sogar Mächtigkeitsspringen bestritt.



Luisao / Malin Petersen

Als leichtfüßiger und dynamischer feiner Flieger präsentierte sich Luisao (4. mit 8,7) von Larimar / Leandro unter der Schwedin Malin Petersen. Ebenso durch und durch ein Pferd aus dem Land zwischen den Meeren, hier jedoch mit einer Inzuchtkomponente auf den Halbblüter Landgraf von Ladykiller xx auf beiden Seiten des Pedigrees. Mit Lord ist ein weiterer Ladykiller xx-Sohn auf der väterlichen Seite vertreten. Das Cor de la Bryere in der Abstammung der Mutter auftaucht ist da schon fast selbstverständlich. Die Dominanz des Holsteiner C-Blutes auf allen Seiten der Pedigrees setzt sich auch bei vielen der übrigen Starter der 5-jährigen Buschpferde in dieser Finalqualifikation fort.


Mr Easter / Vanessa Bölting

Direkte Blutpferde waren rar, nur zwei Halbblüter waren am Start:  Duke of Hearts xx stellte mit Dante's Dream eine kompakte Tochter mit durchaus väterlichem Wiedererkennungswert, als Muttervater zeichnet hier die Holsteiner Legende Calido aus dem Hause Maas Hell verantwortlich. Vanessa Bölting war mit einem Sohn ihres ehemaligen Vollblüters Mulligan xx vertreten, Mister Easter, der in Aufmachung und Habitus in allen Belangen an seinen Vater erinnert. Beide Pferde galoppierten heute an den vorderen Rängen vorbei. Nur acht von 45 Startern, also weniger als ein Fünftel aller Pferde, führten darüber hinaus Vollblüter als Muttervater.

Donna Fiderella / Jeannine Elisa Marie Zöbelein

Erwähnenswert ist sicher auch die dressurbetonte Genetik in den Rangierungslisten. Mit 8,4 an siebter Stelle platziert steht Donna Fiderella für eine Anpaarung, die man nicht unbedingt im Busch vermutet hätte. Zwar ist Vater Fidertanz zeitweise auch auf dem vielseitig assoziierten Klosterhof Medingen beheimatet gewesen, steht aber eher für markante Trabvererbung wie bei Ingrid Klimkes Franziskus. Muttervater Dormello war seinerzeit Siegerhengst Dressur der Oldenburger Körung, und erblickte das Licht der Welt im Hause des Zuchtleiters Schleppinghoff.


QC Rock and Roll / Kai-Steffen Meier

Kai-Steffen Meiers QC Rock and Roll (11. mit 8,1) verfügt mit Rock Forever NRW über einen durchaus springorientiert gezogenen Vater, der seinerzeit allerdings den Nürnberger Burgpokal im Dressurviereck rockte und auch sonst von der Züchterschaft eher vierecksbetont angepaart wird. Muttervater de Niro passt da voll ins Bild, dahinter geht es weiter mit Weltmeyer. Entsprechend kommt Rock and Roll daher: Kraftvoll, substanziell und mit sichtbar Abdruck in den Grundgangarten. Der Wallach hat nicht ohne Grund bereits eine Dressurpferdeprüfung gewonnen, Vollbruder Rufus von Nymphenburg ist spezialisiert auf Dressurpferdeprüfungen, selbiges gilt für die Halbschwester Bijoux von Belissimo, allesamt aus der Zuchtstätte Schmitz-Leitner.


Alle 45 Starter sahen das Ziel, elf Pferde (bis zur Wertnote 8,1) haben sich direkt für das Finale qualifiziert, weitere fünf haben über das kleine Finale am morgigen Freitag noch die Möglichkeit dazu.


Warendorf, 30. August 2018 - Sabine Brandt & Klaus Kurk

Eventing-Inside
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