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11.08.2026 - KK
E-I-fokussiert: Andreas Dibowski
„Dibos Fazit nüchtern und ohne Bla Bla “ kommentierte eine langjährige E-I-Leserin Andreas Dibowskis Einschätzung zur Leistung der jungen Vielseitigkeitsreiter im Abschlussbericht zur U25-Weltmeisterschaft vor zwei Wochen.
Wo kommt der so gelobte her, was steht in seiner Vita, wie sah sein Erfolgsweg aus, wo waren die Meilensteine seiner außergewöhnlichen Karriere - all das soll heute der Inhalt dieses Porträts sein.
Andreas Dibowski
Zuhause in der Lüneburger Heide betreibt der dreifache Familienvater mit seiner Frau Susanna auf dem Irenenhof in Döhle den Leistungsstützpunkt Vielseitigkeit. Geboren in 1966 schnupperte im Alter von zehn Jahren der junge Andreas Dibowski erstmals Turnierluft im ländlichen Ponysport. Aus 1981 datiert sein erster Sieg in einem Geländeritt, gleichzeitig war es das Jahr des Realschulabschlusses. Nach einem Intermezzo auf der Handelsschule begann 1982 in Harburg bei Uwe Wichmann die reiterliche Ausbildung im Spring- und Dressursattel. In dem Jahr taucht sein Name erstmals in den Platzierungslisten der FN auf: Mit der VOLLKORN xx-Tochter VINETT ging es für den 6. Platz auf die Ehrenrunde des A-Springens.
Nachdem sich „Dibo“ 1983 für den Weg in die Vielseitigkeitsreiterei entschieden hatte, folgten von 1984 bis 1987 die Ausbildung zum Pferdewirt an der Landesreitschule in Hoya und in 1990 die Prüfung zum Pferdewirtschaftsmeister, zwischendurch war er erstmals Niedersächsischer Landesmeister geworden und hatte sein Vier-Sterne-Debüt (damals CCI***) in Luhmühlen. Von 1995 bis 1997 war er der erste Leiter des damals neu geschaffenen Ausbildungszentrums in Luhmühlen, ehe der Sprung in die Selbständigkeit folgte.
Seit 1991 ist er regelmäßiger Gast beim Bundeschampionat, für das Premierenjahr sollte man exakter mit ‚Bundeschampionaten‘ formulieren: FRH AMADEUS stellte er auf dem Vielseitigkeitsplatz vor und schaffte den Sprung ins Finale, mit GOLDIKA gab es die rote Schleife bei den dreijährigen Reitpferden und mit DERBY startete er bei den Parcoursspezialisten. Ein Jahr später wurde unter ihm FRH AMADEUS -so wie 2008 FRH BUTTS AVEDON, 2010 SONGLINE, 2014 FRH CORRIDA und 2021 LILLET- Bundeschampion der Vielseitigkeitspferde. Insgesamt führt die FN Andreas mittlerweile mit mehr als 120 Siegen in Geländepferde-, Springpferde- und Dressurpferdeprüfungen. Bei den Spezialisten war er auf dem Viereck bis zur Klasse L siegreich, im Parcours bis zu Klasse S; international ist er mit FRH DIADINA bis 140-Springen platziert.
Vier Jahre nach dem Auftritt im Reitpferdeviereck in Warendorf kehrte er mit GOLDIKA als Vizeeuropameister der ländlichen Reiter und dazu mit Team-Gold dekoriert aus der Schweiz zurück, 1996 folgte die erste Platzierung beim Herbstklassiker in Boekelo, 1997 der erste (mit ANDORA 11. in Burghley, 4. mit dem Team) von bisher acht Euroauftritten. Dibo vertrat die deutschen Farben auf vier Weltmeisterschaften sowie drei Olympischen Spielen und verpasste den vierten Einsatz als Olympionike in 2021 lediglich durch die Änderung des Reglements mit der Reduzierung der Mannschaft auf drei Reiter.
Mit FRH CORRIDA FRH Teil des Silberteams in Avenches 2021 …
… und mit dem Frack auf schweizerischem Sand
Im Mittelpunkt an dem Wochenende, an dem alles gepasst: Fünf-Sterne-Sieger mit BUTTS LEON in Luhmühlen 2011; eingerahmt von Ehefrau Susanna (links) und Competition-Head-Groom Wiebke Nicolaysen
Von diesen ‚großen‘ internationalen Championaten glänzen in der heimischen Vitrine vier Team-Goldmedaillen (Olympia 2008 mit BUTTS LEON. drei von den Europameisterschaften 2011 in Luhmühlen mit FRH FANTASIA, Malmö 2013 mit FRH BUTTS AVEDON und Luhmühlen 2019 mit FRH CORRIDA). In den Einzelwertungen kam er auf sechs Top-20-Resultate.
Besonders dramatisch war sein Einsatz mit BUTTS LEON 2010 in Kentucky. Nach der „vielleicht besten Vorstellung“ auf dem WM-Dressurviereck ging es am Samstag auf die XC-Runde: „Im Gelände, das sowohl konditionell als auch von den Aufgaben höchst anspruchsvoll war, fing der Wallach super an, bis dann Sprung 7, das Coffin, kam. Ideal zurückgenommen, sehr gute Distanz, toll und easy hineingesprungen und dann……… Er zog mich förmlich aus dem Sattel als wolle er aus dem Graben saufen. Es kam so unvorbereitet, dass ich Mühe hatte im Sattel zu bleiben. Ich kann mir bis heute, auch nach intensiver Studie der Videoaufnahmen, nicht erklären, was das erfahrene Pferd dermaßen erschrocken hat. Ich hielt es einfach für einen Aussetzer und sah mich auch nicht genötigt, Leon dafür zu bestrafen. Also ritt ich den Graben auf der alternativen Route von der anderen Seite an. Dieses Mal wollte er schon gar nicht mehr hin. Verdammt! Jetzt bekam er aber doch mal einen auf den Po und siehe da: Es hat gefruchtet. Leon sprang beim 3. Versuch dann doch noch und ich konnte meine Reise fortsetzen. Es war kurzfristig schon etwas schwierig mit der nachfolgenden Konzentration aber glücklicherweise war der Weg zu 8 sehr lang. Egal, dachte ich mir, soll mal wieder nicht sein. Jetzt geht es nur noch um die Mannschaft, die darf nicht schon wieder platzen. Minimalziel war der 5. Platz als Qualifikation für London. Das war von den Trainern ausgerufen worden. Bis zum nächsten Sprung hatte ich mich auch wieder gesammelt, das Pferd sowieso. Leon absolvierte die restlichen 21 ! Aufgaben in der für mich so bekannten und souveränen Art, als wäre gar nichts geschehen. Er war frisch bis zum Schluß, sprang überragend und schien in keinster Weise verunsichert.“
Nach dem Abschlussspringen schrieb Andreas: „Diese Selbstverständlichkeit, mit der Leon die Belastung eines solchen Geländes wegsteckt, machen ihm zu dem, was er nach wie vor für mich ist: Eines der besten Pferde, die ich je geritten bin. Coffin hin oder her. Leon war am Sonntag frisch und munter und beendete die WM mit einer ganz sicheren Nullrunde im Springen. Hätte wenn und aber. Silber hätte es mal wieder sein können und ich muß zugeben: Entgegen allem was ich in der Vergangenheit über meine 2. Plätze gesagt oder geschrieben habe, 2. zu sein fühlt sich doch viel viel besser an, als das, was ich hier wieder erleben musste ...“
Seit 2002 (Beginn der durchgängigen Datenaufzeichnung der FEI) hat Dibo 21 Pferde zu internationalen Siegern entwickelt, in dieser Zeit 67 Prüfungen gewonnen und insgesamt 417 Top-10-Ergebnisse erzielt. Die Bandbreite der ersten Plätze reicht dabei von Intro-Erfolgen, über den Weltmeistertitel der siebenjährigen Vielseitigkeitspferde in 2010 mit MIGHTY MAGIC, Vier-Sterne-Gewinnen auf mehr als 15 verschiedenen Plätzen, darunter Aachen, Boekelo und Marbach, bis zu den drei Fünf-Sterne-Siegen in Pau (2010 mit FRH FANTASIA) und Luhmühlen (2011 mit EURORIDINGS BUTTS LEON / 2016 mit IT’S ME xx). Neben Tim Price und Michael Jung ist Dibo der erst dritte Reiter, der seit 2005 (Aufstieg des Events in die Königsklasse) doppelt in der Heide gewonnen hat.
Zurück in Döhle schrieb Andreas damals auf seiner Homepage über den zweiten Fünf-Sterne-Sieg: „Ich habe nun 22 Jahre auf diesen einen, doch für mich sehr bedeutenden Sieg in Luhmühlen warten müssen. 22 Jahre, die ich auf diesem Niveau mich versucht habe, Erfahrungen sammeln konnte und auch viele viele Rückschläge hinnehmen musste. Das ist Vielseitigkeitssport. Das ist es, was meiner Meinung nach erstrebenswert sein sollte. Die Suche nach Beständigkeit. Nicht der kurzfristige große Erfolg zählt, sondern die Möglichkeit, mit seinen Pferden einer langen gemeinsame Zukunft entgegen zu arbeiten. Es lohnt sich einfach……. … Das Highlight und die Früchte langjähriger Zusammenarbeit konnte ich mit Euroridings Butts Leon im CCI4 genießen. Es waren drei perfekte Wettkampftage mit ihm. 39 Pkt aus der Dressur, ein Geländeritt, der mir selten so perfekt gelungen ist mit lässigen 15 Sekunden unter der Zeit bei einem wahrlich bis zum Schluß fliegenden Leon und ein grandioses abschließendes fehlerfreies Springen wurden endlich mit dem Sieg in Luhmühlen belohnt.“
‚Dibo‘ ist nach wie vor der Reiter mit der meisten Luhmühlen-Erfahrung auf diesem Niveau, seine 15 Starts in der Heide sind im deutschen Lager bislang unerreicht. Auch in Badminton war er regelmäßig unterwegs: Bei neun Starts seit 2002 hat er sechs Runden mit einem Wertungsergebnis beendet und war dabei jedes Mal ‚im Geld‘, darunter Runner-Up mit FRH SERVE WELL in 2007 und EURORIDINGS BUTTS LEON in 2010 sowie 4. mit GINGER in 2002. Seine persönliche Pau-Statistik: Zu dem Sieg aus 2010 gesellen sich zweite Plätze mit LEON (2009) und AVEDON (2014), der dazu in 2019 als 8. und 2015 als 12. ins Ziel kam. Ein weiteres Preisgeld sicherte FANTASIA in 2013. Mehrmals wurde er zwischen 2000 und 2010 auf dem ersten Platz der FEI-Weltrangliste geführt.
Auf dem Bild: Mit IT’S ME xx uf dem Weg zum dritten 5*-Triumph
Von den Deutschen Meisterschaften hat er einen kompletten Medaillensatz, wobei der Titel erst im zwanzigsten Anlauf (2013 mit BUTTS LEON) seiner wurde; neben diesen Medaillen stehen weitere elf Top-10-Ergebnisse. In 2019 sicherte er sich mit FRH CORRIDA den Titel beim Berufsreiterchampionat in Marbach.
Anfang 2025 hat Andreas das Amt des Nachwuchs-Bundestrainers von Julia Krajewski für die Altersklasse U25 sowie die Perspektivgruppe übernommen und konzentriert sich seit diesem Jahr auf die U25-Reiter. Unter seiner Verantwortung gewannen das Deutsche Team bei der ersten U25-WM vor wenigen Wochen in Millstreet Team-Silber und Calvin Böckmann den Einzeltitel. Nach dem Ausfall von Peter Thomsen engagiert er sich zusätzlich als Disziplintrainer Gelände bei den Senioren.
Sie haben das Ende des Porträts erreicht - vielen Dank für ihr Interesse!



