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24.06.2026 - KK

Alle Neune - Die Longlist für die Weltmeisterschaft der U25-Vielseitigkeitsreiter steht

Neu im Terminkalender der Nachwuchs-Eventer ist ihre eigene Weltmeisterschaft. Erstmals wird sie für die U25-Reiter vom 21. bis 26. Juli im irischen Millstreet ausgetragen. Am Rande des Heideturniers am letzten Wochenende gab der Bundestrainer Andreas Dibowski einen Einblick in die Anfänge seiner neuen Tätigkeit, äußerte  seine Gedanken zu dem Event und zeigte den Weg dahin auf.

Seit eineinhalb Jahren trägst Du einen Teil der Verantwortung für den deutschen Reiternachwuchs mit. Wie ist es dazu gekommen?

Andreas Dibowski: „Nach den Olympischen Spielen in Paris habe ich die Zusammenarbeit mit den polnischen Reitern eingestellt. Dann kam dann von Peter [Thomsen] die Anfrage, ob ich nicht Lust hätte und mir vorstellen könnte, die Perspektivgruppe zu übernehmen, die vorher Julia [Krajewski] betreut hat. Wir [mit Jérôme Robiné] haben dann im letzten Jahr angefangen, diese Betreuung der Perspektivgruppe und auch der U25-Reiter zu übernehmen. Im Laufe des Jahres habe ich dann aber festgestellt, dass es mit der Perspektivgruppe so nicht funktioniert, weil ich dafür mehr vor Ort in Warendorf sein müsste. Die Reiter, die da in Warendorf stationiert sind, brauchen täglich eine Ansprechperson. Dafür war ja auch Jérôme [Robiné] mit eingeplant und mit eingebunden. Ich war mit dabei, da zu Anfang die Frage war, klappt das mit Jérôme, weil er ja altersmäßig noch nicht so weit weg ist, also wie klappt das mit der Akzeptanz. Das war im Nachhinein überhaupt keine Frage, überhaupt kein Problem, weil er reiterlich und von seiner Persönlichkeit  her weit genug gefestigt ist, so dass auch die Jüngeren ihn voll akzeptiert haben. Ich selber war zu weit weg, um das tagtäglich zu betreuen, mehr hätte sich mit meinem Betrieb zuhause aber gar nicht vereinbaren lassen.“

Was hast Du verändert?

„Ich war mit dieser Situation nicht zufrieden und bin dann an Dennis [Peiler] und Peter [Thomsen] herangetreten und habe gesagt, dass ich gerne die U25 weiter begleiten würde, aber es auf Dauer mit der Perspektivgruppe keinen Sinn macht. Da es mit Jérôme super klappte, wollte ich mich da gerne ausklinken und über die U25 hinaus kaderübergreifend als Disziplintrainer Gelände für die Ausbildung zuständig sein, weil wir ja Rodolphe [Scherer] nur am Anfang des Jahres für zwei Lehrgänge in Warendorf haben und dann nur noch auf den Turnieren bzw. jetzt noch für einen Longlist-Lehrgang. Wir haben das seit Jahren in Dressur und Springen, diese kontinuierliche Trainingsbetreuung über die Saison hinweg. Das hat sich sehr, sehr bewährt, aber im Gelände hatten wir es nie. Daher kam von mir die Idee, das kaderübergreifend zu machen. Dafür bin ich jetzt alle vierzehn Tage in Warendorf und biete dort das Kadertraining-Gelände an und darüberhinaus jederzeit persönlich in Döhle. Damit wollen wir in Warendorf und Döhle die Geländeausbildung forcieren.“

Das  heißt, bei der Perspektivgruppe hat es einen Führungswechsel gegeben.

„Ja. Jérôme ist jetzt alleine für die Perspektivgruppe zuständig und koordiniert alles. Die Ausbildung läuft Hand in Hand, auch mit Anne-Kathrin [Pohlmeier - Disziplintrainerin Dressur] und Lara [Weber - Springen]. Seine Oberaufsicht ist damit mehr eine administrative, eine Management-Aufgabe. Die Mitglieder haben einen konkreten Ansprechpartner, der hier und da mal die Weichen stellt und zum Beispiel sagt, du brauchst mal mehr Geländetraining oder geh‘ mal regelmäßiger zu Lara oder mach mehr Dressur - und wenn es passt, macht er selber Trainings.“

Das hört sich nach einer klareren Struktur an.

„Durch diese neue Aufteilung haben wir jetzt für alle drei Disziplinen über das ganze Jahr für alle Reiter die sich im Kaderbereich aufhalten, eben auch über die unteren Kader, das Angebot, dass wir kontinuierlich Geländetraining mit einplanen, genauso wie Dressur und Springen.“

Wie häufig bist Du mit Deinen U25-Reitern auf den Turnieren?

„Es ist ja eine überschaubare Gruppe und wir haben mit jedem Reiter im Winter Saisongespräche geführt, wollten von ihnen wissen, wo sie sich selber sehen und welche Ziele sie haben. Mit denen, die Richtung WM oder Richtung Deutsche Meisterschaft wollten, haben wir Pläne für das Training und die Einsätze gemacht. Ich bin jetzt nicht auf jedem Zwei- oder Drei-Sterne-Turnier mitgewesen, aber da, wo wir die Hauptsichtungsprüfungen oder die Hauptqualifikationsprüfungen hin gelegt haben, da war ich dann immer bei. Das waren jetzt Kronenberg und Sopot, die beiden Prüfungen hatten wir als Hauptqualifikationsprüfungen auserkoren, und in Strzegom war ich auch da.“


Andreas Dibowski, der Chef-Trainer der U25-Vielseitigkeitsreiter und Leiter des Leistungszentrums Döhle bringt die Erfahrung aus drei Olympiateilnahmen (Team-Gold in Hong Kong mit LEON) , vier Weltmeister- und acht Europameisterschaften (Team-Titel in 2011, 2013 und 2019) für ein optimales Abschneiden der deutschen Nachwuchsreiter ein; mit drei 5*-Siegen ist der mittlerweile 60-jährige hinter Michael Jung der erfolgreichste deutsche Reiter auf diesem Level

Wie findest Du die Idee der separaten U25-WM?

„Ich finde, das ist eine super Idee. Sie könnte allerdings ein bisschen geschickter terminiert werden - das ist eigentlich jetzt schon eine Katastrophe und im nächstes Jahr wird es noch schlimmer, da ist die Senioren-EM dann Mitte September in Avenches und die U25-WM nur eine Woche vorher in Cornbury [GBR]. Was Millstreet angeht, damit tun sie [die FEI-Verantwortlichen]  sich keinen Gefallen. So eine WM für jüngere Leute muss einfach später in der Saison sein, in dieser Saison ist das ein völlig bescheuerter Termin. Jetzt im Juli, das ist gerade mal die halbe Saison und die Reiter habe kaum eine Chance, sich über die Saison zu entwickeln oder geraten unheimlich unter Druck, wenn sie ihrem Quali-Ergebnis hinterherrennen. Das Championat an sich finde ich herausragend, weil du einfach als junger Mensch über die ganze Entwicklung Junioren, Junge Reiter, jetzt den nächsten Step machst - und kannst ja gleichzeitig, wenn du schon so weit bist wie jetzt Libussa [Lübbeke] oder Calvin [Böckmann] auch die normale WM machen. Für die, die noch nicht ganz so weit sind, bringt das eine hohe Motivation für ein weiteres Championat auf dem Niveau. Sonst hängen sie ja oftmals zwischen den Stühlen oder schaffen noch nicht den Sprung in den Seniorenkader.“

Was ist mit dem D-Team?

„Der Kader ist mit elf qualifizierten Paaren recht überschaubar, da 

kommt jetzt aber auch keiner mehr hinzu. Die Deutsche Meisterschaft in zwei Wochen haben wir bewusst als nationale Prüfung ausgeschrieben, weil es die letzte Prüfung vor der WM ist. Sie sollen sich natürlich untereinander noch einmal messen, aber es geht hier nicht mehr um eine Qualifikation, sondern um eine Empfehlung - die Qualifikation muss vorher abgeschlossen sein. Es ist eine Formüberprüfung mit der Motivation der Deutschen Meisterschaft; ich verspreche mir da eine sehr gute Prüfung von, aber da muss jetzt nicht das Letzte abgefragt werden, weil ja drei Wochen später schon die WM ist.“

Wie geht es weiter?

„Die Longlist erstellen wir am Anfang der kommenden Woche, erwarten dann alle Reiter zum direkten Vergleich bei der Deutschen Meisterschaft. Danach setzen wir uns wieder zusammen und danach gibt es die Shortlist. Direkt vor der Abfahrt nach Millstreet haben wir ein Trainingslager in Warendorf. Leider beißt sich das mit dem Avenches-Termin und wahrscheinlich werden die Spezialtrainer dann nicht vor Ort sein. Wir werden dort auch kein intensives Training mehr machen, weil ja auch der Zeitraum relativ kurz ist - das wird eher ein Motivationstraining, ein Aufwärmtraining sein. Samstags werden die Pferde dann verladen und gehen auf die Reise nach Millstreet.“

Was versprichst Du Dir von der Weltmeisterschaft?

„Wir haben talentierte Reiter, wir haben talentierte Pferde, aber ich kenne nichts von der Konkurrenz. Die Engländer sind mit Sicherheit höchst favorisiert, weil deren U25-Reiter reiten schon über Badminton. Für die ist das mehr oder weniger ein Sparziergang, aber ich weiß auch nicht, wie die sich aufstellen. Bei den anderen Nationen habe ich überhaupt keinen Überblick, muss auch ganz ehrlich sagen, dass ich mich damit nicht beschäftigt habe. Wir versuchen, eine gute Mannschaft, eine solide Mannschaft hinzubringen und ich hoffe für die Reiter, dass es für sie gute Motivation ist und wir mit einem guten Gefühl wieder nach Hause fahren können. Es ist eine fantastische Veranstaltung, ich war ja mit Alina [Dibos Tochter] in 2017 schon mal da zur Euro. Allerdings ist es eine furchtbare Anreise, mit dem LKW ist das echt weit. Ich bin ja dann auch manchmal ein bisschen naiv, guck‘ mir das auf der Karte an, OK einmal nach England, da über die Insel, dann nochmal eine Fähre, dann ist man ja schon in Irland - als wir da waren, hatten wir vierzig Stunden reine Fahrtzeit hinter uns.“

Was sollten die Vielseitigkeitsenthusiasten noch wissen, was ich Dich jetzt nicht gefragt habe?

„Wir brauchen mehr motivierte junge Reiter, wir brauchen vor allem mehr talentierte Pferde. Wir brauchen auch in Deutschland Geldgeber, die mal ein Pferd halten. Das ist eigentlich das, was uns im Vergleich zu anderen Nationen fehlt. Wenn man zum Beispiel sieht, was Amerika sich einkauft - und die Engländer schöpfen sowieso aus dem Vollen. Da ist der Sport ganz anders aufgestellt. Da können wir uns nicht mit vergleichen, aber es wäre schön, wenn das eine oder andere Pferd in Deutschland potenzielle Investoren findet, die annähernd das Geld ausgeben, das die Ausländer ausgeben.“

Am Dienstag hat die AG Spitzensport des Vielseitigkeitsausschusses von Pferdesport Deutschland die Longlist für das neue Championat aufgestellt und diese Pferd-Reiter-Paare (in alphabetischer Folge) benannt:

ALTAIR DE LA CENSE und Calvin Böckmann

ASTRELLO und Linus Weiss

BOB 61 und Isabella von Roeder

BOTSWANA 4 und Konstantin Harting

CASTAGNOLA und Carla Hanser

CHINTANO 7 und Nicholas Goldbeck

DARCY F und Libussa Lübbeke

LANZELOT 142 und Jana Lehmkuhl

SIR SCOTTY und Ann-Catrin Bierlein

Alle Paare sind mit kurzen Einschätzungen ihres Trainers in der Bildergalerie -die auch heute wieder die Unterstützung von Ingo Wächter (iw-images.de) erfahren hat- abgelichtet:

ALTAIR DE LA CENSE und Calvin Böckmann

*2010, SF-Stute von JENNY DE LA CENSE  aus der NINJA von HAARLEM x ROSSINI

Züchter: Diego & Filipa Horta E Costa
Besitzer: Simone, Jason und Liam Böckmann

„Mit ALTAIR hat Calvin ein sehr, sehr gutes Pferd für diese U25-Tour und wir versprechen uns ganz viel davon.“

ASTRELLO und Linus Weiss

*2009, Hannoveraner-Wallach von ASTI'S AMSTERDAM aus der PETTY von PRESTIGE PILOT x DOMSPATZ

Züchter: Jörg Sültemeier, Trebbel
Besitzerin: Susanne Weiss

„Linus war im letzten Jahr in Marbach schon einmal ganz erfolgreich, ist danach in den Vier-Sterne-Prüfungen leider im Springen gescheitert und zwei Prüfungen nicht beenden können. Er war im Mai wieder in Marbach und hat dort sein Quali-Ergebnis bestätigt."

BOB 61 und Isabella von Roeder

*2011, Oldenburger Wallach von BAILAMOS BIOLLEY aus der NOBLESSE XI von CHAGALLO x CARETIONO

Züchter: Werner Stahr
Besitzer: Isabella von Roeder

„Isabella ist eine von zwei Newcomern. Sie ist die amtierende Deutsche Meisterin der Jungen Reitern und in diesem Jahr erstmals bei den U25-Reitern dabei. Sie hat sich gleich Anfang Mai in Sopot ihre Quali mit einem zweiten Platz gesichert und wird auch übernächste Woche in Luhmühlen starten.“

BOTSWANA 4 und Konstantin Harting

*2017, Holsteiner Stute von BIG STAR aus der ALANDA von CORMINT x CORRADO I

Züchter: Dieter Pringel
Besitzer: Rainer Schwere

„Konstantin wollte seine Quali schon in Strzegom holen, ist dort eine sehr souveräne Geländerunde geritten, hatte aber ganz viel Pech am vorletzten Sprung, wo er runter geplumpst ist. Er ist dann in Marbach eine kleine Prüfung geritten und hat seine gute Form in Kronenberg mit einem fünften Platz und dem Sieg in der U25-Sonderwertung bestätigt. Auf die beiden halte ich ganz große Stücke.“

CASTAGNOLA und Carla Hanser

*2010, Holsteiner Stute von CONTENDER  aus der IPHIGENIE II von LANCER II x FERNANDO

Züchter: Thomas May, Düsseldorf
Besitzerin: Alexandra Hanser

„CASTAGNOLA hat ihr Quali-Ergebnis auch schon im letzten Jahr gesichert, ist aber in diesem Jahr so ein bisschen unbeständig unterwegs. Da muss man jetzt mal sehen, wie sich das stabilisiert und wie man das am Ende managt.“

CHINTANO 7 und Nicholas Goldbeck

*2012, Holsteiner Wallach von CHIN CHAMP aus der OPHELIA XI von EXORBITANT xx x CALYPSO I

Züchter: Thomas Gerken
Besitzer: Jens & Nicholas Goldbeck

„Nicholas  ist einer der Reiter, die letztes Jahr schon sehr auffällig war. Das Pferd hatte sich dann verletzt, ist operiert worden. Er wurde in diesem Jahr sehr sparsam eingesetzt und hat sein Quali in Kronenberg noch einmal bestätigt“

DARCY F und Libussa Lübbeke

*2011, Holsteiner Stute von LARIMAR aus der RIEKE VII von ESTEBAN xx x CONTENDER

Züchter: Ferdinand Baumann, Kerpen
Besitzer: Andreas Baumann und Libussa Lübbeke

„Sie hat die Quali auch mit CARAMIA, ist aber mittlerweile auf den großen Zug aufgesprungen. Sie haben in Marbach sehr, sehr gut abgeliefert und kommen deshalb für Aachen infrage und wir haben sie mit ihrem zweiten Pferd DARCY auf der Liste.“

LANZELOT 142 und Jana Lehmkuhl

*2017, Hannoveraner-Wallach von LUCARELLI xx aus der CARLA von CONTENDRO I x HERALDIK xx

Züchter: Judith und Sönke Schmidt, Naumburg
Besitzerin: Melanie Lehmkuhl

„Bei LANZELOT ist es wie bei CASTAGNOLA.“

SIR SCOTTY und Ann-Catrin Bierlein

*2008, Hannoveraner-Wallach von STALYPSO aus der CAPRICE von CHAMBERTIN x INTERVALL xx

Züchterin: Elisabeth Kapp, Clüversborstel
Besitzerin: Ann-Catrin Bierlein

„Anka trainiert im Moment bei Kevin McNab in England. Sie ist eine von denen, die das Quali-Ergebnis schon im letzten Jahr geholt hat. SIR SCOTTY, der ja schon achtzehn ist, hat sie in dieser Saison sehr behutsam aufgebaut und bringt ihn übernächste Woche auch hier nach Luhmühlen.“

Nach der deutschen Nachwuchs-Meisterschaft in Luhmühlen (2. bis 5. Juli) wird das Team final benannt werden.

Sie haben das Ende der aktuellen U25-WM-Berichterstattung erreicht - vielen Dank für ihr Interesse.

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